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"Die totale Vernetzung"

"Das Internet war erst der Anfang" - IT-Experte Tim Cole eröffnet das 2. Forum "Netzwerk Praxiserfolg" am 10./11.Februar 2012 in Düsseldorf und schaut im Interview nach vorn

Tim ColeMünster/Düsseldorf. Das 2. Forum "Netzwerk Praxiserfolg" (www.netzwerk-praxiserfolg.de), organisiert von der Haranni Academie und der NWD.C dental consult, findet am 10./11. Februar 2012 im Düsseldorfer van der Valk Airporthotel statt und widmet sich einem hochaktuellen Thema: der digitalen dentalen Zukunft. Stargast der Veranstaltung ist Frank Schätzing, der mit seinem futuristischen Erfolgsroman "Der Schwarm" und seinen Fernsehmoderationen große Popularität erlangt hat. Einen ebenso guten Namen in Fachkreisen besitzt der Deutsch-Amerikaner Tim Cole, dessen Eröffnungsvortrag das Thema der Veranstaltung beschreibt: "Das Internet war erst der Anfang", lautet der Titel der Veranstaltung und des Entrees des IT-Experten und -Journalisten. Den konkreten Praxisbezug liefert der Untertitel: "PAR und Prophylaxe im digitalen Praxiskonzept".

Cole zählt zu den Pionieren unter den IT-Fachjournalisten in Deutschland, war u.a. Anfang der 90er Jahre Gründer und Chefredakteur des ersten deutschsprachigen Branchendienstes Internet Report (IWT-Verlag) und schrieb für zahlreiche Wirtschafts- und PC-Magazine. Cole wird in seinem Eröffnungsvortrag konkrete Tipps dazu geben, welche Vorgaben in der neuen IT-Welt besonders zu beachten sind und dabei konkrete Praxiskonzepte für den Mittelstand vermitteln. Im folgenden Interview erläutert er bereits einige Details zum Thema.


1. Die erste Frage drängt sich förmlich auf: Wenn das Internet erst der Anfang war, was kommt als Nächstes?

Cole: "Die totale Vernetzung. Sie wird dann erreicht sein, wenn Unternehmen und ganze Industrien die bestehenden Lücken in ihren digitalen Systemen überbrückt und verbunden haben, damit Informationen reibungslos und sicher über digitale Netzwerke laufen können, ohne dass es wie heute nötig ist, Informationen immer wieder von einem Zustand in einen anderen zu überführen, also zum Beispiel ausdrucken und woanders wieder eingeben. Das ist heute leider die gelebte Praxis, auch bei großen Unternehmen. Bei Ikea gibt es ein wunderbares Werkzeug, den Online-Küchenplaner, wo Sie Ihre eigene Küche bis ins kleinste Detail entwerfen und planen können. Wenn Sie es bestellen wollen, muss die Verkäuferin einen großen Stapel ausdrucken und dann Dutzende oder Hunderte von Einzelposten ins Bestellsystem eintippen – weil die beiden nicht miteinander reden können. Wenn es schon bei einer so vergleichsweise großen Firma wie Ikea so aussieht – wie wird es wohl bei einem kleinen Mittelständler aussehen? Dinge wie elektronische Posteingangsverarbeitung oder digitalen Rechnungsversand sind erste notwendige Schritte in Richtung volldigitaler Geschäftsprozesse, aber die wenigsten haben ihn bisher getan."

2. Wie werden Rechner und IT die medizinische Arbeit der Zukunft begleiten und formen?

Cole: "Sie haben heute bereits vieles auf den Kopf gestellt. Denken Sie nur an den berühmten Weißkitteleffekt: Früher haben Patienten kritiklos das geschluckt, was ihnen der Arzt verordnet hat. Heute kommen sie mit einem Berg von Informationen in die Praxis und stellen ihren Arzt zur Rede, wenn er ihrer Meinung nach eine falsche Therapie verordnet. Mein Freund Norbert Bolz, Ordinarius für Kommunikationswissenschaft in Berlin, warnt vor dem drohenden Verlust eines der wichtigsten Mittel, die einem Mediziner bislang zur Verfügung standen, nämlich dem Placeboeffekt. Der Patient kommt dem Arzt heute auf Augenhöhe entgegen, eine Entwicklung, die wir so ähnlich in vielen anderen Lebensbereichen erleben: im Handel, in der Politik, in der Werbung und der Unternehmenskommunikation."

3. In Zahnarztpraxen geht es jetzt immer stärker um die "digitale Verfahrenskette". Worauf sollte ein Zahnarzt bei dieser Verknüpfung von Diagnose Therapie und Abrechnung besonders achten?

Cole: "Auf Durchgängigkeit und Effizienz. 'Die richtige Information zur richtigen Zeit am richtigen Ort' lautete bis vor kurzem das Motto von IBM. Davon sind wir aber noch meilenweit entfernt. Leider wird die mit maßloser Verspätung eingeführte elektronische Gesundheitskarte (eGK) daran so schnell auch nichts ändern, denn man hat die wirklich wichtigen Funktionen wie Telemedizin, elektronische Patientenakte, Notfalldatensatz, etc. in die so genannten Stufen 3 und 4 eingeordnet, also zu reinen freiwilligen Funktionen degradiert, während die einfachen Basisfunktionen (Versichertendaten, europäisch Krankenversichertenkarte, eRezept) so genannte Pflichtanwendungen sind. Das ist sehr schade, denn zu den erklärten Zielen der eGK gehören die verbesserte Kommunikation aller an der Gesundheitsversorgung Beteiligten sowie Verbesserungen in der Qualität der Patientenversorgung. Diese Verbesserungen werden aus Kostengründen auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben."

4. Was kann IT dem einzelnen Praxisinhaber wirtschaftlich bringen?

Cole: "Sie kann ihn idealerweise entlasten und ihm mehr Zeit verschaffen, sich um seine Patienten zu kümmern. Sie kann das Gesundheitssystem insgesamt finanziell entlasten, so dass der Kuchen, den es zu verteilen gilt, immer größer wird. Ob es den Ärzten gelingt, sich eine große Scheibe davon abzuschneiden, wird viel vom Verhandlungsgeschick der Ärztevertreter, aber auch von der Bereitschaft der Ärzteschaft insgesamt, abhängen, sich der digitalen Zukunft zu stellen."

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