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Interview ZA Martin Hendges „Nur am Limit – oder doch schon irre?!“

„Wer sich weiter auf das gesetzlich verankerte Leistungsspektrum beschränkt, hat es zunehmend schwer“

Interview mit ZA Martin HendgesZA Martin Hendges spricht am 5./6.November auf der Veranstaltung „Nur am Limit – oder doch schon irre?!“ in Düsseldorf und stellt im Interview Details der „Wachstumsbranche Zahnmedizin“ vor.

Münster/Bochum. Sowohl die zahlreichen juristischen Aspekte als auch betriebswirtschaftliche Anforderungen stellen die in eigener Praxis tätige Zahnärzteschaft heute vor große Herausforderungen. Dass sich daraus auch neue Perspektiven gewinnen lassen, zeigt ZA Martin Hendges (Köln) Ehrenvorsitzender des DZV, wenn er von der „Wachstumsbranche Zahnmedizin“ spricht. „Nur am Limit – oder doch schon irre?!“ heißt die Veranstaltung, auf der er seine Ideen näher vorstellt. Sie findet am 5./6. November 2010 im Hotel Maritim am Düsseldorfer Flughafen statt und bietet eine betriebswirtschaftliche und rechtliche Standortbestimmung für Zahnärztinnen und Zahnärzte. Zusätzlich kommt noch das „Netzwerk Praxiserfolg“ ins Spiel, dem auch die Experten der Vorträge angehören und bei dem es um die Profite speziell für Zahnärzte aus gegenseitigem Erfahrungsaustausch auch geht. Im folgenden Interview gibt Martin Hendges bereits einige Einblicke, was er sich von der „Wachstumsbranche Zahnmedizin“ verspricht.

Frage 1): “Zahlen, Daten und Fakten zur Wachstumsbranche Zahnmedizin” - der Titel des Vortrags deutet eine positive Entwicklung an, während um uns herum alles klagt und stöhnt. Was hat es denn mit der Wachstumsbranche Zahnmedizin auf sich?

Hendges: Der Gesundheitsmarkt ist eine der wenigen Wachstumsbranchen überhaupt, weil der Bedarf an medizinischer Versorgung durch den demografischen Wandel, die stetige Zunahme chronischer Erkrankungen und den medizinisch-technischen Fortschritt stetig zunimmt. Insofern muss man die derzeit geführte Finanzierungsdebatte in der GKV zunächst einmal von dem trennen, was an medizinischen Leistungen heute erbracht und zukünftig abgefragt wird.

Gerade der Bereich Zahnmedizin ist das beste Beispiel dafür, dass Patienten durchaus bereit sind, Leistungen außerhalb des GKV-Kataloges in Anspruch zu nehmen, wenn sie Wahlmöglichkeiten haben, wie bei der Füllungstherapie oder im Festzuschuss-System und der Mehrwert auch sichtbar ist. Wer sich allerdings als selbständiger Zahnarzt primär auf das gesetzlich verankerte Leistungsspektrum beschränkt, hat es zunehmend schwer, da nur begrenzte Mittel von den Krankenkassen zur Verfügung gestellt werden und aufgrund der finanziellen Schieflage der GKV auch die Politik davor zurück schreckt, die Honorare für Vertragsleistungen der heutigen wirtschaftlichen Situation adäquat anzupassen. „Zahlen, Daten und Fakten“ sind also das eine. Das andere ist die Frage, wie man mit ihnen umgeht und welche Rückschlüsse man daraus ziehen kann.

Frage 2): Wie kann der Zahnarzt/ die Zahnärztin in eigener Praxis an diesem Wachstum teilhaben, warum läuft die Entwicklung bei vielen offenbar nicht so gut?

Hendges: Der Zahnarzt in eigener Praxis kann nur am Wachstum teilhaben, wenn er sich primär um die Bedürfnisse seiner Patienten kümmert, nicht nur über zahnmedizinische Befunde und Therapiemöglichkeiten aufklärt, sondern auch deutlich macht, dass klare Grenzen im Leistungskatalog der GKV vorhanden sind, es darüber hinaus jedoch eine Menge an Mehrleistungen und Therapiealternativen gibt und eine qualitativ hochwertige zahnmedizinische Versorgung nichts mit „Nulltarif“, Dumpingpreisen oder Patientennavigation durch Krankenkassen zu tun hat. Wer dem Patienten transparent aufzeigen kann, welchen Befund er hat, wie sein zahnmedizinisches Risiko aussieht, welche Therapiemöglichkeiten daraus erwachsen und in welcher Form er sich eigenverantwortlich durch die Inanspruchnahme geeigneter Prophylaxemaßnahmen in den Prozess mit einbinden kann, wird merken, dass für den Patienten nicht nur wichtig ist, was man quasi „auf Kasse“ bekommt, was wer in welcher Höhe erstattet, sondern auch außervertragliche Leistungen gerne in Anspruch genommen werden, weil verstanden wurde, worin der Mehrwert liegt und ablesbar wird, wie hoch der Mehraufwand für den Zahnarzt ist.

Frage 3): Welchen Stellenwert genießt diese Wachstumsbranche gesundheitspolitisch?

Hendges: Gesundheitspolitisch nimmt man gerne die positiven Effekte dieser Wachstumsbranche, wie z.B. die stetig wachsende Zahl von Beschäftigten im Gesundheitswesen, mit. Andererseits versäumt es die Politik aufs Neue, wirkliche Reformschritte zu gehen und kehrt zu alten Verhaltensmustern zurück, bei denen es nur um reine Kostendämpfungspolitik geht. Das ist weder zielführend noch gesamtwirtschaftlich sinnvoll.

Frage 4): Derzeit sind es vor allen die Länder(-Finanzen...), die wichtige und notwendige strukturelle Änderungen wie die AppOZ oder die GOZ trotz wohlwollender Bundesregierung blockieren. Gefährdet dieser Stillstand nicht die prosperierende Entwicklung?

Hendges: Das ist vollkommen richtig. Wir laufen erneut Gefahr, dass die „Ausgabendiskussion“ und „Finanzierungsproblematik“ eine angemessene Reform der GOZ verunmöglicht. Auch hier wird der bekannte Widerspruch deutlich. Auf der einen Seite will man alles an modernen und kostenintensiven Leistungen einkaufen und in einem Gebührenkatalog wiederfinden und auf der anderen Seite ist man aber nicht bereit, einen solchen Leistungskatalog auch bezahlen zu wollen.

Viel sinnvoller wäre es, endlich Erstattung und Honorierung von einander zu trennen sowie ehrlich und offen zu bekennen, dass man nicht die Mittel dafür besitzt, um alles an Leistung anbieten zu können. So schüren Kostenerstatter und Beihilfestellen seit Jahrzehnten die 100%-Mentalität der Versicherten bzw. Beihilfeberechtigten und versuchen dann über reine Erstattungswillkür auf Kosten der Zahnärzteschaft Einsparungen zu realisieren.

Frage 5): Inwieweit profitiert die Gesellschaft von der Wachstumsbranche Zahnmedizin, wie lässt sich diese nach außen kommunizieren?

Hendges: Die Gesellschaft profitiert in erster Linie von dem hohen Engagement der Zahnärzteschaft in Deutschland, die trotz einer verfehlten Gesundheitspolitik dafür sorgt, dass die zahnmedizinische Versorgung weltweit einen absoluten Spitzenplatz einnimmt. Insofern wäre es im Interesse aller, die freiberuflichen Strukturen weiter zu fördern, statt immer mehr staatliche Eingriffe vorzunehmen und fachfremden Dritten sogar noch Wettbewerbsvorteile einzuräumen. Erkennt das die Politik nicht, wird die Gesellschaft in der Weise zukünftig nicht mehr an dem enormen Einsatz des Berufsstandes partizipieren können. Die großen Erfolge in der Prävention sind nicht staatlichen Strukturen zu verdanken, sondern fußen ausschließlich auf den enormen Bemühungen der Zahnärzte, die Mundgesundheit der Bevölkerung immer weiter zu verbessern. Es geht letztendlich darum, die Wertigkeit von Zahngesundheit in den Vordergrund zu rücken und damit Bewusstsein zu schaffen. Dann lassen sich ökonomischer und zahnmedizinischer Nutzen einer Wachstumsbranche auch gut kommunizieren.

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